Wohnzimmer – das Private wird Klang

link to Eng­lish ver­sion com­ing soonAblauf

So entsteht aus vie­len Wohnz­im­mern ein Instrument

Was geschieht, wenn man den Klang unter­schiedlicher Wohnz­im­mer übere­inan­der schichtet? Welche Schön­heit ent­fal­tet der Klang am Ende und wer­den pri­vate Rück­zug­sorte dann greif­bar? Solchen Fra­gen will das Kun­st­pro­jekt “Wohnz­im­mer” an der Schnittstelle zwis­chen Klangkunst, Fel­dauf­nahme und Community-Arts nachge­hen. “Wohnz­im­mer” ist im Grunde nichts anderes als ein akustis­cher Kettenbrief.

Man braucht:

  • USB-Stick mit den Auf­nah­men der Vorgänger
  • Laut­sprecher, z.B. Hifi-Anlage
  • Auf­nah­megerät, z.B. Smartphone
  • Inter­netverbindung
  • Wohnz­im­mer

Hier ist die Anleitung:

Wohnzimmer_Ablauf

Die Auf­nahme war schon bei Ihnen und Sie haben mit­gemacht? Danke! Sie haben Prob­leme? Schade. Weiter unten geht’s zum Trou­bleshoot­ing.

Prinzip
Als der Klangkün­stler Alvin Lucier 1969 “I am Sit­ting In A Room” schrieb, kon­nte er nicht ahnen, wie leicht ver­füg­bar und trans­porta­bel die Tech­nik heute ist, die er damals für sein berühmtes Stück ver­wen­dete. Auch wenn Lucier sein Stück heute auf­führt, das Prinzip ist immer gle­ich: Er spielt einen gesproch­enen Text immer wieder im sel­ben Raum ab und nimmt ihn erneut auf. Dieser Wieder­hol­un­gen führen dazu, dass der Raum seine ganz eige­nen Res­o­nanzen selbst ver­stärkt, dabei die Stimme immer mehr über­lagert und seine Klänge nach und nach in die Auf­nahme einschreibt.

So klang das Ganze bei Lucier

Was zuvor höch­stens als Nach­hall hör­bar war, verdichtet sich zu faszinieren­der Musik. Nun ging es Lucier nicht um Wohnz­im­mer – mir aber schon. Warum?

Erweit­ert man den Kon­text und lässt ver­schiedene Per­so­nen nacheinan­der jew­eils eine Auf­nahme in ihrem Wohnz­im­mer machen, über­lagern sich ganz unter­schiedliche Res­o­nanzen. Ziel ist es, den akustis­chen Abdruck einer Region in Form der sum­mierten Wohnz­im­mer­ar­chitek­tur zu erhal­ten, gepaart mit dem tech­nis­chen Zeit­geist in Form der Auf­nah­meme­dien. Die ver­wen­dete Tech­nik und dahin­ter­liegende Algo­rith­men, die ja ohne­hin den All­tag vere­in­nah­men, wer­den unzweifel­haft Arte­fakte verur­sachen, die sich in das Ergeb­nis ein­graben. Der Akustiker wird fra­gen: Was kann dabei her­auskom­men außer Noise? Vielle­icht nichts, vielle­icht eine ganze Menge.

Als Aus­tra­gung­sort habe ich Laufen und Obern­dorf gewählt, eine Dop­pel­stadt an der Grenze von Deutsch­land und Öster­re­ich. “Wohnz­im­mer” posi­tion­iert sich in der ewigen Diskus­sion über die Unter­schiede zwis­chen bei­den, indem sie zu einem einzi­gen Instru­ment zusammenfließen.

Wenn Sie ger­ade das näch­ste Glied im Ket­ten­brief sind und trotz Anleitung nicht weiter wis­sen, inter­essiert Sie vielle­icht das Troubleshooting:

Trou­bleshoot­ing

Ich habe es in drei Tagen nicht geschafft, die Auf­nahme zu machen.
– Doch.

Was habe ich davon?
– Sie leis­ten einen Beitrag zu einem Kun­st­pro­jekt, das es so noch nicht gegeben hat. Ruhm und Ehre kann ich nicht ver­sprechen, aber abhängig vom Ergeb­nis kann das Pro­jekt recht weite Kreise ziehen (mehr wird nicht verraten).

Was ich abspiele, klingt ver­rauscht und fiept.
– Das muss so sein, bitte führen Sie die Schritte aus, wie in der Anleitung angegeben. Das Endergeb­nis wird (hof­fentlich) besser klingen.

Bei mir im Wohnz­im­mer ist es nicht still genug.
– Kein Prob­lem, lassen Sie es so. Selbst eine Sirene gle­icht sich nach weit­eren Sta­tio­nen des Ket­ten­briefs aus.

Ich bin fer­tig mit Aufnehmen. Wie kriege ich die Datei von meinem Smart­phone herunter?
– Es gibt mehrere Möglichkeiten. 1) Versenden Sie die Auf­nahme als E-Mail an sich selbst und öff­nen Sie sie mit einem Rech­ner. Sich­ern Sie den Anhang und kon­vertieren Sie ihn als MP3. 2) Schließen Sie Ihr Smart­phone per USB an einen Rech­ner an und suchen Sie die Datei im entsprechen­den Ord­ner Ihres Tele­fons. Kon­vertieren Sie nach MP3, wenn nötig.

Wie funk­tion­iert das Kon­vertieren?
– Wenn Sie keins instal­liert haben, suchen Sie im Inter­net nach einem für Sie passenden Kon­vertierung­spro­gramm (z.B. von AAC zu MP3). Viele sind kosten­los. Das Ergeb­nis muss als MP3 mit 44,1 kHz und 16 Bit gespe­ichert wer­den, damit alle in der Kette auf Ihre Auf­nahme zugreifen können.

Wer soll den USB-Stick bekom­men?
– Das entschei­den ganz allein Sie. Vorteil­haft sind natür­lich Besitzer von Smart­phones oder echter Auf­nah­me­tech­nik. Oder Sie helfen.

Wie viele Teil­nehmer sind notwendig?
– Testrei­hen haben ergeben, dass ca. 20 Auf­nah­men nötig sind, damit die aufgenomme­nen Res­o­nanzen musikalisch klingen.

Warum muss ich ein Backup an sonoscoop schicken? Passiert dann etwas mit meinen Daten?
– Dieser Schritt ist sehr wichtig. Das Backup dient dazu, falls der USB-Stick ver­loren geht, not­falls einen neuen auf die Reise schicken zu kön­nen. Außer­dem behalte ich so den Überblick über die Entwick­lun­gen und ob das Ergeb­nis eventuell früher fer­tig ist als gedacht. Ihre E-Mail-Adresse bleibt ver­traulich, kein einziger Verteiler wird damit gespeist (mein eigener auch nicht). Sie erhal­ten höch­stens eine Dankes-E-Mail.

Was geschieht mit dem Ergeb­nis?
– Kommt darauf an. In jedem Fall wird das Ergeb­nis ein­mal bei Laufens monatlicher offener Bühne präsen­tiert. Ob es von offizieller Seite Inter­essen­ten gibt, wird sich zeigen und in jedem Fall hier auf der Web­site angepriesen.

Welcher Text wird auf der ursprünglichen Auf­nahme gesprochen?
- Er lautet:

Dieses Wohnz­im­mer sieht bes­timmt ein biss­chen aus wie deins. Ein ganz nor­males Wohnz­im­mer, wo man sitzt und Zeit ver­tut. Es hat vier Wände, einen Boden, eine Decke und eine Tür, vielle­icht auch zwei. Die Architek­ten haben innen und außen sauber voneinan­der getrennt.

Aber für die Ohren sind die Wände durch­läs­sig. Wenn ich mich anstrenge, höre ich nicht nur die Nach­barn oder den Wind oder den Schleud­er­gang der Waschmas­chine. Da schwingt noch etwas anderes mit, etwas kaum Hör­bares. Etwas anderes, vielle­icht ein Molekül, das über­all den Weg durch den Beton findet, jeden besuchen kann und in einer Sprache erzählt, die nie­mand versteht.

Ich habe eine Frage, auf die ich hier keine passende Antwort finde.
– Da hilft nur eine E-Mail an wohnzimmer@sonoscoop.com